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Anar Ali: Nacht der Bestimmung

Das schreibt der Verlag:
»Nacht der Bestimmung« ist die berührende Geschichte eines Generationenkonflikts innerhalb einer Familie von Einwanderern. Einfühlsam beschreibt Ali das Scheitern und Wachsen an den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, eine neue Heimat zu gewinnen und dabei die eigene Herkunft nicht zu verlieren.

Es ist das Jahr 1998. Mansoor Visram lebt nun schon seit 25 Jahren in Kanada, seit Diktator Idi Amin sämtliche Südostasiaten aus Uganda vertrieben hat. Mansoor, seine Frau Layla und ihr kleiner Sohn Ashif mussten ein erfolgreiches Leben hinter sich lassen und fliehen. Aber an alte Erfolge anzuknüpfen und die Familie in Kanada zusammenzuhalten ist viel schwieriger, als er erwartet hatte. Immer deutlicher treten die Risse zutage, die bereits vor Generationen – und auf anderen Kontinenten – entstanden sind. Vor allem der Konflikt zwischen Mansoor und seinem inzwischen erwachsenen Sohn spitzt sich immer weiter zu.

In der Nacht der Bestimmung, der wichtigsten Nacht des Ramadan, in der sich das Schicksal für das kommende Jahr entscheidet, ereignet sich eine schreckliche Tragödie, die das Leben der Visrams für immer verändern wird, und die sie zwingt, sich endlich den Geistern der Vergangenheit zu stellen.

Das sagt Die gute Seite:
Anar Alis Romandebüt ist anzumerken, dass die Autorin vom Drehbuchfach ist. Klare Bilder, klare Linien, ein überschaubares Personenset, unglaublich viel zu erzählen und sofort schieben sich Bilder vor die Netzhaut.

Mal wieder was mit Flucht, Migration und 1.-2.-Generationenkonflikt? Yep! Denn so viele Personen wie wir selbst oder um uns herum haben eine solche Geschichte in unterschiedlichen Ausprägungen. Manches ist ähnlich und vieles so verschieden wie die Menschen.

In Nacht der Bestimmung migrierte Mansoors Vorfahr aus Indien nach Uganda, “ihr Amerika”, um sein Glück zu suchen und baute erfolgreich ein Unternehmen auf. Mansoor heiratete eine Kenianerin, übernahm die Geschäfte des Vaters, musste in Folge des Putsches von 1971 jedoch fliehen. Mit Baby Ashif gelangte die junge Familie ins kanadische Calgary, wo sie sich eine neue Existenz aufbaut. Vor allem Layla sorgt für den engen Kontakt zur ismailitischen Immigrantengemeinde, die ihr Halt und Unterstützung bietet.

Mittlerweile ist der Sohn erwachsen und tut sich schwer mit Besuchen bei den Eltern. Kapitelweise abwechselnd tauchen wir in die jeweilige Perspektive von Vater Mansoor, Mutter Layla und Sohn Ashif ein. Im Präsenz erzählt, fügen sich die Mosaiksteine sehr unmittelbar Stück für Stück zum Beziehungsbild dieser Familie zusammen. Zum Ende gibt es für Ashif neue Ausblicke und nicht nur sinnbildlich frische Luft: “Ashif nimmt einen tiefen Atemzug. Er muss husten. Es klingt rau und trocken, wie Sandpapier auf Holz. Als ob seine Lunge nicht an Luft gewöhnt sei, als ob dies sein erster Atemzug wäre. Er atmet ein. Und aus. Und ein. Und aus.”

Unbedingt lesen, verschenken und sich auf den Film freuen, den es bestimmt irgendwann geben wird!

Friederike Hartwig

Anar Ali: Nacht der Bestimmung
Erschien im September 2021 im CulturBooks Verlag
Gebunden 245 Seiten, Originaltitel: Night of Power.
Aus dem Englischen von Jan Karsten,
In unserem Webshop: €22, ebook €14,99.