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Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.

Das schreibt der Verlag:
Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben. Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden.

Das sagt Die gute Seite:
So viel Gutes wurde bereits über den Roman geschrieben – dem kann ich mich nur anschließen. Der Clou liegt in der biografisch orientierten Erzählweise, die eine starke Subjektivität schafft und damit emotionale Nähe erzeugt. Damit lernen wir 12 tolle Personen kennen und zwar eine nach der anderen – mit dem angemessenen Fokus und der gebotenen Intensität.

Drei persönliche Geschichten sind jeweils zu einem Kapitel gruppiert. Und immer ist eine Mutter-Tochter-Beziehung dabei. Die Mehrheit der Figuren ist dauerhaft in London situiert. Aber auch der Stadt-Land-Peripherie-Zentrum-Aspekt wird beleuchtet, Sexualität, Transition, das ABC der LGBTQIA*, Mutterschaft, Adoption, toxische Beziehungen, Entfremdungen, all die täglichen persönlichen Kämpfe und immer wieder vielschichtige Rassismus-Erfahrungen und deren Folgen. Denn alle Protagonistinnen sind Schwarz.

Aber auch (und gerade!) Passing wird thematisiert. (Wikipedia: So spricht man klassischerweise von erfolgreichem Passing, wenn ein:e Schwarze:r mit sehr heller Haut für einen Weißen gehalten und entsprechend behandelt wird. Insbesondere in den USA ist dieses Phänomen sowohl im Alltag wie auch in der Forschung Thema.) Lotet die Auseinandersetzung damit doch die Grenzen von un-/sichtbarer, struktureller Ungleichbehandlung aus und offenbart die moralische wie logische Absurdität vom System Rassismus.

Den Erzählrahmen bildet die Aufführung von Ammas Theaterstück. Im Publikum und auf der Afterparty finden mit verschieden engem Bezug die zuvor Porträtierten – weil die Firma eine Sponsorin ist, weil die Aufführung rezensiert werden soll, weil die Theatermacherin eine Freundin, die eigene Mutter, die Kindsmutter, die ehemalige Company-Partnerin, die beste, langjährige oder aktuelle Freundin ist oder weil die Karten für das Stück ein Geschenk waren. Und so startet und endet das Buch mit der Premiere einer Bühnenperformance, die sich lautstark behauptet, die interveniert, begeistert und verstört. So reflektiert das Stück inhaltlich das Mosaik der fiktiven Lebensgeschichten, indem es historisch, geografisch und politisch Brücken schlägt.

Ein Buch zum Gleichnochmallesen, Diskutieren, Entdecken, Seufzen und Bewundern, Sichbestärken, Festhalten, Verschenken, Empfehlen.

Friederike Hartwig

Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.
Erschien imAugust 2022 bei btb/ Randomhouse.
Taschenbuch, 557 Seiten, Originaltitel: Woman, Girl, etc.
Aus dem Englischen übersetzt von Tanja Handels,
In unserem Webshop: €12, Hörbuch €25.