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Dagmar Leupold: Dagegen die Elefanten!

Das schreibt der Verlag:
Herr Harald ist der Mann in der Garderobe. Er gehört zum Theater wie der Vorhang, aber niemand kommt seinetwegen, das Rampenlicht ist für andere. Er nimmt den Menschen die Mäntel ab, die Taschen, was immer sie ihm anvertrauen, um für kurze Zeit unbeschwert zu sein, und wartet bis zum Schlussapplaus, das ist sein Einsatz. Doch eines Abends bleibt ein Mantel zurück, und in dem Mantel findet sich eine Pistole. Herr Harald trägt sie nach Hause, nur: Was will er damit tun? Er kann sich schlecht gegen alles zur Wehr setzen, was ihm an der Welt und den Mitmenschen als Zumutung erscheint. Aber vielleicht kann er ihre Aufmerksamkeit auf jemanden lenken, der wie er ein Schattendasein führt: die Frau, die für einen anderen die Noten umblättert und die er aus der Ferne verehrt.
Der tragische wie komische Protagonist dieser hinreißend erzählten Geschichte ist ein Held des Alltags, ein Mann in Dienstkleidung, einer, dem es niemand dankt. Und gäbe es die Literatur nicht – und Autorinnen wie Dagmar Leupold -, wie sollten wir wissen, was für ein Reichtum an Gedanken und Gefühlen, wie viel waches Leben und wehe Sehnsucht sich dahinter verbirgt.

Das sagt Die gute Seite:
Dieses Buch ist denkbar leise, beschwingt, sprachschön, detailblickig, panoramaarm, kleinteilig, ehrlich, poetisch, gründlich – und lässt doch Raum fürs Gedankenschweifen, Vervollständigen, Abseitsspinnen. Was für ein Geschenk für mich zum richtigen Zeitpunkt! Über Ostern habe ich es nach längerer Zeit mit dem Kopf mal so richtig rausgeschafft aus dem verwurzelten Berlin, dem geliebten Buchladen, dem Alltagstrott. Lesend und lächelnd mit Blick auf Berge war dieses Buch sanfte Begleitung und für mich das momentgenaue literarische Kleinod. Denn sonst stelle ich mir Personen eher unscharf vor, habe keine klaren Gesichter vor mir. Herr Harald hingegen ist mir erschienen.

Jörg Plath bringt meines Erachtens auf den Punkt, weswegen ich ausnahmsweise unumwunden verweise auf die Besprechung im Deutschlandfunk. Zudem, fällt mir ein, schafft Dagmar Leupold fast schon unmerkbare Wechsel zu Kindheitserinnerungen oder besser noch: -empfindungen des Protagonisten. Wirklich toll.

Lieblingssätze:
“Draußen schlägt ein Specht seine Wahrheiten in den Stamm des einzigen Baums weit und breit. Herr Harald ist froh, dass er keine hat. Wegen der Kopfschmerzen.” (S. 51)

“Als der Plan für den Nachmittag steht, steht auch Herr Harald auf.” (S. 56)

“Er hat ein Girokonto und ein Festgeldkonto, außerdem ein Festnetz. Stabil schon das Wort, zwei Silben ohne Wankelmut. Beim gelegentlichen Telefonieren presst er den soliden Hörer ans Ohr, um den sich seine Hand schließen kann wie um eine Gewissheit.” (S. 57)

[Zirbenessenz] “Es riecht kräftig, würzig, beharrlich. Kein Zaudern, kein Zägern, reine Entschlossenheit. Ein ganzer Zirbenwald duftet nun im Takt seines Pulsschlags, er muss nur das Handgelenk zur Nase führen, schon weicht die Furcht. Allem trotzen sie – diese sturmerprobten Kiefern. Die Wurzeln in felsigen Grund geschlagen wie eiserne Klauen.” (S. 187)

Friederike Hartwig

Dagmar Leupold: Dagegen die Elefanten!
Erschien im März 2022 im Salzburger Verlag jungundjung/ jetzt: Kampa.
Gebunden, 266 Seiten.
In unserem Webshop: €23, ebook €17,99.