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George Takei (mit Justin Eisinger/ Steven Scott): They Called Us Enemy. Eine Kindheit im Internierungslager (Ill.: Harmony Becker)

Das schreibt der Verlag:
Ein dunkles Kapitel der US-Geschichte: In dieser beeindruckenden Graphic Novel schildert George Takei seine Erlebnisse in jenen Internierungslagern, die von den USA im 2. Weltkrieg für den Teil der Bevölkerung mit japanischen Wurzeln eingerichtet wurden. Die Welt des vierjährigen George verändert sich von dem einen Moment auf den anderen, als sich eines Morgens sein Heimatland im Krieg mit dem seines Vaters befindet. Seine ganze Familie? Plötzlich DER FEIND.

Die Graphic Novel, kreiert von Takei und den Co-Autoren Justin Eisinger, Steven Scott sowie Zeichnerin Harmony Becker, liefert Antworten zu Fragen, die gerade im heutigen Amerika, geprägt durch neu aufflammende Konflikte innerhalb der Gesellschaft und mit anderen Nationen, wichtiger sind denn je: Was ist ein US-Amerikaner? Wer entscheidet das? Wenn die Welt sich gegen dich wendet: Was kann ein einzelner Mensch bewirken?

Das sagt Die gute Seite:
Als ich das Buch unter den Neuerscheinungen entdeckte, interessierte ich mich wegen dreier Aspekte sofort dafür.

1.
Zunächst machte mich das bekannte Gesicht von Autor George Takei auf die Graphic Novel aufmerksam: wow, der engagierte Star-Trek-Schauspieler, der nicht nur in seinem Vorwort zu Soldiers of Change politisch Position bezogen hatte! Takei war zu seiner Star-Trek-Zeit eines der seltenen asiatisch aussehenden Gesichter (Asian faces) in der vorderen Reihe der Filmbranche; seine Biografie daher etwas Besonderes.

2.
Zudem horchte ich ob des Themas auf, das in Deutschland nicht sehr bekannt ist: Die vorsorgliche Internierung der japanischstämmigen US-Bevölkerung in Lagern nach dem Angriff auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor durch die japanische Armee. Loyalitäten wurden der US-Bevölkerung mit japanischen Wurzeln per se abgesprochen; die ewige Zugehörigkeitsfrage von Migrant*innen mit brutalen Folgen ohne zu Fragen einseitig beantworten.

Ich war vor einigen Jahren durch den Isabel-Allende-Roman Der japanische Liebhaber über die Thematik gestolpert. Nun also die Graphic Novel über die Erfahrungen und Erinnerungen der familiären Internierung von George Takei als Kind.
Sie eignet sich auch für Comic-/ Graphic-Novel-Einsteiger*innen, denn die Zeichnungen sind konventionell im Sinne der Lese-, Seh- und Abbildungsgewohnheiten (ich sehe meine Kunst-Kollegin schon die Augenbrauen heben bei dieser pauschalierenden Laienbeschreibung) mit verbindendem Strich, Kontrasten, linearer Erzählweise. Das Buch und damit das Thema sind dadurch sehr zugänglich für breitere Kreise.

3.
Schließlich wirft diese Neuerscheinung die äußerst aktuelle Frage auf, wie sich Nationalismus in Verbindung mit Rassismus konkretisieren kann. US-Präsident Donald Trump spricht von “China-Virus”, wenn er das Virus SARS-CoV-2 meint und befeuert damit die Akzeptanz von stereotypen Beleidungen gegenüber “asiatisch aussehenden” Menschen.

Und nicht nur Trump knüpft damit an den nun wieder aufgewärmten Topos der Angst vor der “gelben Gefahr” an, wie ein Unbehagen gegenüber dem Fernen Osten mit Fokus auf China auch genannt wurde und wird.

Das George-Takei-Buch erzählt von Diskriminierung mit schlimmen Folgen, weil politische Loyalität in Frage stand. Auch heute noch wird in Deutschland viel gestritten über Anpassung, Integration, sich Beweisenmüssen von Menschen, die dazukommen. Selbst auf einer so banalen Ebene wie Männer-Fußball wurde vor nicht allzu langer Zeit vor Anpfiff von Länderspielen noch diskutiert, ob bspw. Lukas Podolski oder Robert Lewandowski denn auch wirklich mit voller Kraft und Loyalität für ihre Mannschaft spielen würden. Absurd! Aber real.

Daher ist “They Called Us Enemy” ein in mehrfacher Hinsicht interessantes, weil wichtiges Buch. Lesen, weitergeben, schenken, davon erzählen!

Friederike Hartwig

George Takei (mit Justin Eisinger/ Steven Scott):
They Called Us Enemy. Eine Kindheit im Internierungslager.
Illustrationen: Harmony Bec
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Graphic Novel, 208 Seiten, erschien im Mai 2020 bei Cross Cult
Aus dem US-amerikanischen Englisch von Christian Langhagen
Gebunden €25 – zum Webshop