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Gisa Klönne: Für diesen Sommer

Das schreibt der Verlag:

Kann aus gemeinsamen Erinnerungen etwas Neues entstehen?
Mit Mitte 50 kommt Franziska noch einmal in ihr Elternhaus zurück, um sich um ihren verwitweten Vater zu kümmern. Seit ihrer Jugend, seit sie sich dem Naturschutz verschrieben hat, war das Verhältnis zu ihm, dem technikgläubigen Ingenieur, schwierig und ihre Besuche im Elternhaus selten. Auch in Franziskas Leben sind viele Ideale zerbrochen, selbst beim Yoga findet sie keinen Frieden mehr. Widerstrebend lassen sich also Vater und Tochter aufeinander ein. Er kann nicht mehr laufen und ein Umbau des Hauses ist unumgänglich, auch wenn er davon nichts wissen möchte. Mit jedem gemeinsamen Tag erwachen nicht nur die alten Konflikte, sondern auch die Erinnerungen an das Glück, das sie einmal teilten: Bei den gemeinsamen Waldläufen, beim Baden am See und in jenen schier endlosen Sommernächten im Garten, wo sie den Leuchtkäfern zusahen. Während ein langer, heißer Sommer seinen Lauf nimmt, lernen Franziska und Heinrich, mit ihrer Vergangenheit und miteinander Frieden zu schließen.

Das sagt Helene Paulig, Stammkundin der Guten Seite:
„Geschaute Wirklichkeit ist freundlich – und wenn sie auch noch so brutal ist.“ (S. 357)

Die Familie – immer noch klingt dieses Wort warm, glücklich und behütend.
Die Familie – immer wieder klingt dieses Wort nach Schmerzen, Trauer und Ausgeliefertsein.

Gisa Klönne erzählt die Geschichte einer Familie, im Klappentext heißt es, sie sei autobiografisch inspiriert. Im Mittelpunkt sind Heinrich Roth und seine Tochter Franziska, die – von ihrem Schwager gerufen – ins Haus ihrer Kindheit zurückkehrt, um ihren kranken Vater zu betreuen. Sie erhält jedoch einen noch komplizierteren Auftrag vom Mann ihrer Schwester Monika: Sie soll das Haus gegen den ausdrücklichen Willen des Vaters ausräumen, damit es altersgerecht umgebaut werden kann. Ihre Schwester Monika ist an dieser Aufgabe gescheitert. Der erste Streit ihres Lebens mit ihrem Vater lässt sie zusammenbrechen; Monika muss sich in einer psychosomatischen Klinik behandeln lassen, verweigert jeden Kontakt zu Mann, Kindern, Schwester und Vater. Weil Heinrich seiner Tochter Franziska misstraut, was sie wohl in seinem Hause so treibe, erklimmt er die Treppe ins Obergeschoss, seine kranken Beine versagen; er findet sich im Krankhaus wieder.

Franziska hockt zwischen allen Stühlen: Ihr Vater zürnt, wie soll sie mit ihm reden? Ihr Schwager erwartet kühl die Aufgabenerfüllung. Ihre Schwester will sie nicht sehen. Ihre langjährige Beziehung ist gescheitert, wie soll es weitergehen? Mutter Johanne ist in allen Räumen und Gedanken präsent, auch wenn sie schon seit zwei Jahren tot ist. Familie.

Die Autorin schreibt einen freundlichen Roman trotz brutaler Erinnerungen und Familientraumata. Die Leserin wird durch den Überlebenskampf des 17-Jährigen Heinrich in den letzten Kriegstagen 1945 geführt, durch die Trauer Johannes, deren ganze Familie – bis auf Oma Frieda – in der Ostsee ertrinkt, und durch den ehrlichen Versuch von Vater Heinrich und Mutter Johanne, das alles zu vergessen und ihre beiden Töchter beschützt und glücklich aufwachsen zu lassen. Die Ereignisse um die Auseinandersetzungen um die Startbahn West des Frankfurter Flughafens, die Auswirkungen der Hochrüstung erreichen und zerreißen nicht nur Staaten, auch Familien wie die von Franziska. Der Roman von Gisa Klönne fasziniert mit seiner sensibel klaren Sprache, mit einem intuitiven Aufbau und einem ehrlichen und wertschätzenden Blick auf eine Familiengeschichte nach dem zweiten Weltkrieg im Westen Deutschlands.

Das brutale Rätsel der Familie soll in dieser Buchbesprechung nicht aufgedeckt werden. Nur so viel sei wiederholt: „Die geschaute Wirklichkeit ist freundlich …“.

Gisa Klönne: Für diesen Sommer
Erschien im März 2022 im Kindler Verlag/ Imprint Rowohlt Verlag.
Gebunden, 448 Seiten.
In unserem Webshop: €22, ebook €19,99, Hörbuch €19,95, Download €18,99
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