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Gustavo Faverón Patriau: Unten leben

Das schreibt der Verlag:

Unten leben ist ein Meisterwerk und Meilenstein der lateinamerikanischen Literatur des 21. Jahrhunderts – ein Buch voller Abenteuer, eine Horrorgeschichte, ein Kriminalroman, eine Geschichte, die aus tausend Geschichten besteht, und ein Reisebericht durch Länder, in denen der Wahnsinn und das Grauen herrschen. Es ist auch ein Roman mit einem quichotesken Humor, in dem verrückte Künstler, gelehrte Spione und geisterhafte Dichter ihr Unwesen treiben.

Es beginnt in Peru, als der amerikanische Filmemacher George Bennett an dem Tag, an dem der Anführer der Guerillagruppe Sendero Luminoso gefangen genommen wird, im Keller eines Hauses einen finsteren Mord begeht. Die Vorgeschichte dieses Verbrechens reicht fünfundzwanzig Jahre zurück, und es wird weitere fünfundzwanzig Jahre dauern, bis es aufgeklärt wird.

Erstaunlich, wie die Teile des Rätsels aus Katakomben, Irrenanstalten und unterirdischen Gefängnissen sich zusammenfügen, während man sich auf eine unendliche Reise durch die dunklen Verliese der Geschichte Lateinamerikas, Europas und der Vereinigten Staaten begibt.

Das sagt Die gute Seite:

Uff, was für ein Text. Zwischendurch habe ich überlegt, ihn aufzugeben, Absätze oder gar Seiten zu überspringen – aber immer, wenn ich es mal gewagt habe, habe ich doch wieder zurückgeblättert, um nur nichts zu verpassen. Denn bei diesem Ziegelstein von Buch ist schnell klar, dass da noch was kommt, dass sich Stränge noch zusammenführen werden. Aber welche? Und wie? Dieser unterschwellige Sog entsteht von Beginn an durch Hinweise auf spätere Verknüpfungen. – Und für mich als Buchhändlerin im Vertrauen auf die Verlegerin des Droschl-Verlags: Wenn sie so einen Schinken hat übersetzen lassen, der m.E. nicht so recht ins Verlagsprogramm passt, muss es sich lohnen.

Belohnt wird die:der Leser:in, die:der schon mal ein bisschen von lateinamerikanischer Geschichte gehört hat. Die Geschichte startet in den U.S.A. Aber auch Rund-um-den-2.Weltkrieg-Dresden bekommt einen Side-kick, Bosnien & Serbien gar einen kriegsverbrecherischen Schauplatz. Im Fokus stehen zudem die Diktaturen in Paraguay, Chile & Argentinien; Peru & Bolivien tauchen auch auf. Der Tod von Che Guevara wird neu ausgeleuchtet, der bolivianische Dichter Jaime Sáenz bekommt einen ordentlichen Auftritt. Frauen sind auch mal präsent. Und es geht ums Erzählen: viel filmisch, gelegentlich schriftlich, auf vielfältige Art mündlich und natürlich faktisch. Wie wird Geschichte und Wahrheit erzählt. Dazu nimmt uns der Autor u.a. mit in Bars voller Filmstudierender, die Psychiatrie, in ein selbstgebautes Lese- und Filmstudio im Garten eines morbid-einsam-ländlichen Friedhofsanwesen.

Mich hat die Lektüre zum einen an träumerisch-entrücktes Erzählen wie in Paul Austers New-York-Trilogie, zum Anderen an Guillermo Arriaga (zuletzt Der Wilde) und Bolaño (bspw. 2666) erinnert in ihrer erzählerischen Ausweglosigkeit, selbstverständlichen Schilderungen von Gewalt verschiedenster Ausprägung, die z.T. erst im Kontext zur solchen wird und in ihrer …ich möchte sagen: Bewölkung. Hier scheint wenig Sonne, das Hoffen auf die Zukunft ist ein schwaches Schimmern, Lichtfiguren sind kaum auszumachen, zumal die menschlichen Beziehungen kaum Raum für echte Zuwendung und Sorge haben.

Und doch geht es immer weiter und muss doch auch einmal gut oder wenigstens besser werden? Der Erzähler macht sich die Mühe, all die Puzzleteile zusammenzutragen – bis zum letzten Satz des Romans, so dass die Geschichte(n) schließlich erzählt ist. Schmerzhaft, aber notwendig. Und durchaus auch mit Kampf und Aufbegehren – vor allem mit Kunst. Kann Rache zu Sühne führen? Am Ende steht in einem erneuten (Ver-)Schweigen innerhalb der engsten Paarbeziehung jedoch der Wunsch nach Schutz Pate.

Lektürefazit: Sehr, sehr beeindruckend. Großartig, es gelesen zu haben. Aber ein Stück Arbeit, für das es Raum, Zeit und eine stabile mentale Grundstimmung braucht. Die Pressestimmen loben das Buch, dem ich alle Leser:innen wünsche, die es literarisch glücklich machen würde. Und ich bin ganz sicher: wir Alle kennen mindestens eine Person, für die dieses Wagnis die richtige Herausforderung ist. Finden wir sie!

fh

Gustavo Faverón Patriau: Unten leben
Übersetzt aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner
Originaltitel: Vivir abajo (2018).
Erschien im August 2025 im Droschl Verlag,
gebunden, 600 Seiten.
In unserem Webshop: €34,-/ ebook €28,99
>>Ebenfalls von Manfred Gmeiner übersetzt: Jordi Peidro Mauthausen, Francisco Alvarez Durruti, Marchamalo Die Eroberung der Pole. Nansen, Amundsen und die Fram,

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