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Lisa-Sandlin-Krimis: Ein Job für Delpha Wade & Ein Fall für Delpha Wade

Immer auf der Suche nach neuen Krimi-Autorinnen und Autoren und mit in den letzten Wochen noch mehr Zeit zum Lesen als sonst schon, fiel mein Auge beim Stöbern in der Onleihe-Ausleihe meiner Bibliothek auf Lisa Sandlin, eine US-amerikanische Schriftstellerin und emeritierte Professorin für Creative Writing. Schon vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans 2015 Ein Job für Delpha Wade war sie eine renommierte Kurzgeschichtenautorin. Ihr erster Kriminalroman wurde preisgekrönt und begeistert aufgenommen. Nun ist ein Folgeband erschienen: Family business : Ein Fall für Delpha Wade, der es in Deutschland sofort auf Platz 3 der Krimibestenliste schaffte.

Was hat Lisa Sandlin doch für eine großartige Heldin erschaffen: Delpha Wade. Wir befinden uns im Jahr 1973 in Beaumont, Texas – die Stadt, in der Lisa Sandlin geboren und aufgewachsen ist.

Delpha ist in Ein Job für Delpha 32 Jahre alt und hat die letzten 14 davon im Gefängnis verbracht, weil sie als 18-Jährige einen Mann in Notwehr erstochen hat.

Texas ist ein zutiefst konservativer, rassistischer Staat, in dem es „normal“ ist, Frauen respektlos und gewalttätig zu begegnen. So sitzt sie wegen dieser Notwehr 14 lange Jahre im Knast. Als sie wieder herauskommt, steht sie mit nichts auf der Straße – keine Wohnung, keinen Job, keine Freunde, keine Familie. Nur einen Bewährungshelfer. Und der bringt sie nach vielen erfolglosen Versuchen, einen Job für sie zu finden, bei seinem alten Kumpel, dem 29-jährigen Tom Phelan, unter, der gerade eine Privatdetektei gegründet hat.

Und nun können wir in wunderbar überraschenden Wendungen und mit tiefen Einblicken in die Entwicklung Delphas von einer „Knastschwester“ in eine junge Frau in Freiheit Seite um Seite beider Bücher lesen. Neben den recht komplizierten Fällen von „Phelan Investigations“, die einem schon einiges an Konzentration abverlangen, um den Faden nicht zu verlieren, erfahren wir so ganz nebenbei viel über die Stimmung im Texas der 70er Jahre, über die Menschen, die dort leben und über das Verhältnis der Geschlechter.

Delpha hat ein Zimmer in einer Pension gemietet, in der außer ihr nur alte Menschen leben, deren Charaktere wir nach und nach auch kennenlernen. Einen großen Teil ihrer Zeit sitzen sie vor dem Fernseher, schauen sich die Live-Berichte über die Watergate-Affäre an und streiten sich über das Auftreten von Präsident Nixon.

Für Delpha ist dieses Zimmer die erste große Errungenschaft nach der Entlassung: ein Zimmer für sich allein, ohne Beobachter und zum Abschließen. Jede neue Erfahrung in Freiheit, die sie in allen Zügen genießt, erinnert uns an diese Selbstverständlichkeiten. Und es ist eine Freude, ihr zuzuschauen, wie sie sich ihre neue Freiheit nach und nach erobert.

Ihr Gegenüber ist der junge Ex-Bohrinselarbeiter Tom Phelan, der die Hälfte seines einen Mittelfingers bei der Arbeit verloren hat und beschließt, dass die Arbeit auf der Bohrinsel zu gefährlich für ihn ist. Er eröffnet unter den skeptischen Blicken von Familie und Freunden ein Privatdetektivbüro.

Es ist ein Vergnügen Delpha und Tom bei ihrer gemeinsamen Arbeit zu folgen. Und spannend. Und lehrreich. Und unterhaltsam. Und – wann kommt das nächste Buch in der Delpha-Wade-Reihe???

Johanna Ulrich

Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha
Roman, 350 Seiten, erschien im Juli 2017 im Suhrkamp-Verlag
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Stumpf
Herausgegeben von Thomas Wörtche
Originaltitel: The Do-Right, erschien 2015 bei Cinco Puntos Press
Taschenbuch €9,95 – zum Webshop

Lisa Sandlin: Family Business – Ein Fall für Delpha
Roman, 357 Seiten, erschien im Februar 2020 im Suhrkamp-Verlag
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Stumpf
Herausgegeben von Thomas Wörtche
Originaltitel: The Bird Boys, erschien 2019 bei Cinco Puntos Press
Taschenbuch, €10 – zum Webshop