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Yael Inokai: Ein simpler Eingriff

Das schreibt der Verlag:
Ein neuartiger Eingriff soll Frauen von ihren psychischen Leiden befreien. Doch ist das menschenwürdig? Eine Geschichte von Emanzipation, Liebe und Empathie.

Meret ist Krankenschwester. Die Klinik ist ihr Zuhause, ihre Uniform trägt sie mit Stolz, schließlich kennt die Menschen in ihrem Leiden niemand so gut wie sie. Bis eines Tages ein neuartiger Eingriff entwickelt wird, der vor allem Frauen von psychischen Leiden befreien soll. Die Nachwirkungen des Eingriffs können schmerzhaft sein, aber danach fängt die Heilung an. Daran hält Meret fest, auch wenn ihr langsam erste Zweifel kommen.
“Ein simpler Eingriff” ist nicht nur die Geschichte einer jungen Frau, die in einer Welt starrer Hierarchien und entmenschlichter Patientinnen ihren Glauben an die Macht der Medizin verliert. Es ist auch die intensive Heraufbeschwörung einer Liebe mit ganz eigenen Gesetzen. Denn Meret verliebt sich in eine andere Krankenschwester. Und überschreitet damit eine unsichtbare Grenze.

Das sagt Die gute Seite:
Dieses Buch hat einen eigenen, besonderen Ton. Es ist kein Kammerspiel, kommt aber mit sehr wenigen aktiv handelnden, den Erzählverlauf voranbringenden Personen aus. Es spinnen sich kleine soziale Netze, die aber in sich geschlossen scheinen. Auch bei der schemenhaften Beschreibung aller Einzelcharaktere bleibt “Gesellschaft” immer draußen und menschliche Beziehungen seltsam unverknüpft. Nichts strahlt, leuchtet, hofft. Außer Merets ‘problematischer’ Schwester, die aber deswegen genauso schnell in eine Sphäre außerhalb von Merets sozialer Reichweite entschwindet. Im etwas dumpfen, aber immer auch klaren, verlässlichen Hier und Jetzt sind nur Meret – und Sarah – im Schwesternwohnheim mit seinen dankbaren Routinen. Und die Klinik als Zielort und Vollzug von Sinnhaftigkeit, Fortschritt und Heilung. Hier zeigen sich nun feine Risse und auch Handlungsoptionen für die beiden Angestellten, als sie Patientin Marianne begleiten bis zum Eingriff – und darüber hinaus.

Tolle Stimmungsschreibe mittels zielgenauer Charakterisierungen, röntgengleicher Situationssoziologie, fokussierter Beobachtungen und weicher Veränderungsdramatik. Wirklich schön. Für einen bedeckten Wochenendnachmittag mit nachklingender Bedächtigkeit und sanfter Freude auf den nächsten Tag.

Friederike Hartwig

Yael Inokai: Ein simpler Eingriff
Erschien im Februar 2022 im Hanser Verlag.
Gebunden, 192 Seiten.
In unserem Webshop: €22, ebook €16,99, Hörbuch €22, Download €18,99
>>Nominiert auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2022.
>>Zuletzt aus dem Verlag empfohlen: Fatma Aydemirs Dschinns und Doris Knechts Die Nachricht.