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Kent Haruf, Yewande Omotoso, Sarah Schmidt: Alte melden sich ungefragt zu Wort

Drei wunderschöne Frühjahrstitel bringen die Facetten des Alter(n)s literarisch zum Schillern. Fünf Frauen und ein Mann schauen in diesen drei Büchern zurück auf ihre Beziehungen, ihre Entscheidungen, ihre Träume. Dürfen und sollen Sie jetzt noch alte oder neue Bedürfnisse leben, Bewährtes in Frage stellen und sich damit in ihrem Umfeld ungefragt zu Wort melden?

 

Nr. 1) Yewande Omotoso: Die Frau nebenan

Das sagt der Verlag:

Hortensia und Marion sind Nachbarinnen in einem wohlhabenden Viertel von Kapstadt. Eine ist schwarz, eine weiß. Beide blicken auf beeindruckende Karrieren zurück. Beide sind seit kurzem Witwe. Ihre gegenseitige Abneigung pflegen sie mit so viel Eifer, dass man ihnen die achtzig Jahre nicht anmerkt. Aber was wissen sie wirklich voneinander?

Das sagt Die gute Seite:

Hortensia und Marion sind Nachbarinnen und somit für die jeweils Andere die titelgebende Frau nebenan. Beide sind sie über 80, seit kurzem verwitwet, waren Textildesignerin und Architektin. Die Apartheid war Teil ihres Lebens, der bis heute fortwirkt. Denn gesellschaftlich verankerter Rassismus lässt sich nicht beseite wischen. Die beiden Karrierefrauen nähern sich ungewollt an, weil sie einander plötzlich aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen brauchen.
Die Autorin Yewande Omotoso schält in Rückblenden bei allen Unterschieden die Gemeinsamkeiten der Figuren als Frauen heraus. Es geht um Berufsziele, Bedienstete, Besitzansprüche, Beerdigungswünsche, Selbstbetrug und Betrogensein. Ein Buch, das leise daher kommt und daher um so lauter ist. Lesen!

Yewande Omotoso: Die Frau nebenan
Erschienen: März 2017 im List Verlag (Ullstein), 264 Seiten
Originaltitel: The Woman Next Door
Übersetzt von Susanne Hornfeck
Gebunden €18,00
epub eBook €14,99
Taschenbuch (englisch) €10,99
epub (englisch) €8,49

 

 

Nr. 2) Sarah Schmidt: Weit weg ist anders

Das sagt der Verlag:
Kratzbürstige Berlinerin die eine, norddeutsche Kleinstädterin mit einer Vorliebe für Yoga und Handarbeiten die andere: Außer einer gegenseitigen tiefen Abneigung haben Edith Scholz und Christel Jacobi nichts miteinander am Hut – dennoch lassen sich die beiden 70-Jährigen auf ein Abenteuer ein, das sie quer durch Deutschland führt.

Das sagt Die gute Seite:

Ach Mensch, klingt das nicht nach Renterinnen-Road-Trip und Regionalklischees? Aber da die Autorin Sarah Schmidt ist, muss da noch mehr hinterstecken. Tut’s auch! Die Protagonistinnen lernen sich während einer Kur auf Usedom kennen. Und treffen sich wieder.
Bis dahin haben wir schon den Briefträger ins Herz geschlossen, der trotz Zeitdruck und vieler Treppen einem nach seinen Kriterien entstandenen Klingelkreis die Post noch eigenhändig an die Tür bringt. Und wir fühlen mit Edith Scholz (ja, es ist dieselbe aus Eine Tonne für Frau Scholz, aber jünger), deren Kreuzberger Haus saniert wird. Und Christel Jacobi in Husum ist im Laufe des Buches nicht mehr nur gut betucht und kunstsinnig, sondern auch verzweifelt und zu den falschen Leuten freundlich.
Eigentliche Story-Königin ist natürlich Sarah Schmidts fein gesponnenes Sprachnetz. Wie nebenbei gewinnen die Figuren an Form und Tiefe. Einige Charakterzüge machen sie nicht immer sympathischer, aber umso authentischer. Absolute Lieblingsszene: Edith “Eddie” Scholz sitzt mit Pils in der Hand im Automatencasino, um zu viel menschlicher Freundlichkeit in barockem Ambiente zu entkommen. Ihr brennen sich die Automaten-Seesterne, -muscheln und -fische bereits auf die Netzhaut, während eine Etage über ihr zarte Worte gewechselt werden. Wunderbar! Eher für Berliner* als für Husumer*…

Sarah Schmidt: Weit weg ist anders

Erschienen: März 2017
als insel taschenbuch (Suhrkamp), 261 Seiten
Klappenbroschur €12,95
epub eBook €10,99

 

 

Nr. 3) Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Das sagt der Verlag:
Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

Das sagt Die gute Seite:

Großartig zart und unaufgeregt. Auch dieser sechste und letzte Roman von Kent Haruf spielt in der fiktiven Kleinstadt Colt. Und wieder ist die Kleinstadt eben Kleinstadt, ob in in den USA oder in Deutschland. Und so gelten unausgesprochene Regeln, wird getuschelt. Aber Addie und Louis setzen sich durch, straffen die Schultern statt sich krumm zu machen. Ein toller Sommer mit Enkel ist wie eine Belohnung dafür. Bis ausgerechnet die Jüngeren die Wahrung der angeblichen Konventionen einfordern. Doch auf wessen Kosten, zu welch aberwitzigem, so unnötigem Preis? Eine möchte aufstampfen, die Beteiligten schütteln ob der nun folgenden Ungerechtigkeit. Aber es gibt einen kleinen Sieg. Zart und unaufgeregt.

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Erschienen: März 2017 im Diogenes Verlag, 196 Seiten
Originaltitel: Our Souls at Night
Aus dem Amerikanischen von pociao
Übersetzt von Susanne Hornfeck
Gebunden€20,00
epub eBook€16,99
mp3 Hörbuch Download€13,95
Audio-CDs (gelesen von Ulrich Noethen) €20,00
Taschenbuch (englisch) €9,99
epub (englisch)€8,99
Eine Verfilmung mit Jane Fonda und Robert Redford in den Hauptrollen ist in Vorbereitung.